Verden – Im heutigen Ausschuss für Finanzen, Personal und Digitalisierung wird über einen weiteren Millionennachschuss für die Aller-Weser-Klinik gGmbH beraten. Der Landkreis Verden soll der Klinik für das Jahr 2026 bis zu 14 Millionen Euro als Kapitalnachschuss gewähren.

Bereits im Vorjahr flossen 15,375 Millionen Euro an die AWK – statt der ursprünglich geplanten 19,8 Millionen. Für 2026 ist nun erneut ein Defizit von rund 14 Millionen Euro eingeplant. Insgesamt sprechen wir damit innerhalb von zwei Jahren von fast 30 Millionen Euro Steuergeldern.
Kritische Punkte:
- Kein echter Sanierungserfolg erkennbar: Zwar wurde das Krankenhaus in Achim zum Fachkrankenhaus umstrukturiert und der Bedarf an teurer Leiharbeit reduziert. Dennoch bleibt das erwartete Defizit mit fast 14 Millionen Euro extrem hoch. Die Frage drängt sich auf: Reichen die bisherigen Sparmaßnahmen aus, oder wird nur Stückwerk betrieben?
- Dauersubvention statt Lösung: Der Beschlussvorlage zufolge soll bereits jetzt für die Jahre 2027 bis 2030 weiterer Finanzbedarf im Haushalt eingeplant werden. Es zeichnet sich eine langfristige Belastung des Kreishaushalts ab – ohne erkennbare Perspektive, wann die Klinik wieder auf eigenen Beinen stehen könnte.
- Fehlende Alternativprüfung: Die Vorlage stellt den Nachschuss als alternativlos dar, um die Liquidität und eine positive Fortführungsprognose der Wirtschaftsprüfer zu sichern. Ob eine weitergehende Standortkonzentration, eine stärkere Kooperation mit anderen Trägern oder andere Modelle ernsthaft geprüft wurden, bleibt offen.
- Hohe Kosten für die Bürger: 14 Millionen Euro fehlen an anderer Stelle – bei Bildung, Straßenbau, Digitalisierung oder der Entlastung der Kreisumlage. Der Landkreis Verden übernimmt damit faktisch die Rolle eines dauerhaften Verlustausgleichs für ein kommunales Unternehmen.
Die Geschäftsführung der AWK begründet den anhaltenden Verlust vor allem mit unzureichender Finanzierung durch Bund und Länder sowie hohen Personalkosten. Das mag teilweise zutreffen. Dennoch stellt sich die Frage: Wie lange kann und soll der Landkreis Verden diese Lücke mit Steuergeldern füllen?

Wir bleiben dran. Die Entscheidung im Finanzausschuss heute und die weiteren Beratungen im Kreisausschuss und Kreistag werden wir kritisch begleiten. Eine nachhaltige Lösung für die Klinikversorgung im Landkreis Verden darf nicht zu einer dauerhaften Belastung kommender Generationen werden.


