Die Kreisverwaltung des Landkreises Verden hat den Kreistag über eine aus unserer Sicht höchst problematische und folgenschwere Anpassung im laufenden Verfahren zur 2. Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms 2016 (RRÖP) im Bereich Windenergie informiert. Statt die berechtigten Belange von Anwohnern, Natur- und Waldschutz ernsthaft zu berücksichtigen, wird nun das Schutzkonzept deutlich aufgeweicht. Der 3. Entwurf soll bereits am 19. Juni 2026 im Kreistag beschlossen und anschließend erneut öffentlich beteiligt werden.
Wichtige Änderung:
- Umstellung auf „Rotor-Out“ – kritische und nicht hinnehmbare Weichenstellung Statt des bisherigen „Rotor-In“-Modells, das klare Grenzen zum Schutz der Umgebung garantierte, wird das Konzept nun auf Rotor-Outumgestellt. Das bedeutet: Nur noch der Mast der Windenergieanlage muss innerhalb des Vorranggebiets Windenergienutzung liegen – die Rotorblätter dürfen die Gebietsgrenze künftig deutlich überschreiten. Die Kreisverwaltung begründet diesen Schritt vor allem mit Vorgaben der Genehmigungsbehörde zu Rohrfernleitungen. Im alten Rotor-In-Szenario hätte der gesetzlich vorgeschriebene 75-m-Puffer zu erheblichem Flächenverlust geführt. Mit Rotor-Out können die Rotoren nun auch über Waldflächen und Infrastruktur hinwegstreichen.
- Besonders kritisch zu bewerten ist: Durch diese Aufweichung des Schutzkonzepts entsteht de facto eine erheblich größere Belastung für benachbarte Flächen, Naturräume und Waldränder, ohne dass die Vorranggebiete offiziell vergrößert werden müssen. Die Abstände zu Siedlungsgebieten bleiben zwar unverändert bei 880 Metern, dennoch steigt das Konfliktpotenzial für Anwohner, Natur- und Waldschutz sowie bestehende Infrastruktur durch die überstehenden Rotorblätter deutlich an.
Flächenziel weiterhin erreichbar Eine abschließende Flächenbilanz liegt noch nicht vor. Nach einer ersten überschlägigen Berechnung zum Rotor-Out-Szenario kann der gesetzliche Flächenbeitragswert von 1.724 ha (inkl. Sicherheitsaufschlag 1.830 ha) voraussichtlich bis zum 31.12.2027 weiterhin erreicht werden.
Die Kreistagsfraktion wird den weiteren Verlauf des Verfahrens und insbesondere die Auswirkungen dieser Rotor-Out-Umstellung sehr kritisch begleiten. Sobald der 3. Entwurf vorliegt, werden wir erneut detailliert berichten.
Quelle: Mitteilungsvorlage der Kreisverwaltung, Drucksache Nr. 63.19.126 – 8. Ergänzung – M (17.04.2026)



